Seit über 35 Jahren arbeite ich als Kulturmanagerin – mein Weg begann mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln und führte mich über die Theaterbühne und das Tourmanagement hin zu meiner heutigen Arbeit. Ich bin unter anderem Kuratorin und Leiterin der Filmreihe »Tüpisch Türkisch« sowie des Iranischen Filmfestivals. Darüber hinaus engagiere ich mich ehrenamtlich im Vorstand des Kulturnetzes, einem spartenübergreifenden Netzwerk der freien Szene.
Dieses Interview führe ich als Kulturmanagerin und kulturpolitische Akteurin. Derzeit arbeite ich ohne festes Team.
Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Künstler:innen und Behörden – besonders für jene mit migrantischen oder außereuropäischen Biografien. Viele dieser Akteur:innen verfügen nur über begrenztes Systemwissen, haben wenig Erfahrung in der Antragstellung und oftmals keinen Zugang zu Netzwerken oder geeigneten Ressourcen. Für sie bin ich zur Anlaufstelle geworden – beratend, begleitend und vernetzungsstiftend.
Ich betreue ausschließlich transkulturelle, interkulturelle und Community-orientierte Projekte. Mein Ziel ist es, Räume zu öffnen, Sichtbarkeit zu schaffen und Handlungsspielräume zu erweitern. Ich unterstütze Künstler:innen dabei, Gelder und Räume zu sichern, berate bei der Fördermittelakquise, übernehme Öffentlichkeitsarbeit und betreibe kulturpolitische Lobbyarbeit. Jährlich begleite ich etwa zehn Hauptprojekte, an die sich viele kleinere Initiativen anschließen.
Die transkulturelle Szene birgt ein reiches kulturelles Wissen, eine enorme künstlerische Vielfalt und einen tiefen Beitrag zur Demokratie- und Friedensbildung. Diese Projekte wirken weit über ihre künstlerische Dimension hinaus – sie fördern Austausch, stärken Gemeinschaften und motivieren Menschen, ihre geschützten Räume zu verlassen und sich gesellschaftlich zu beteiligen.
Doch viele dieser Künstler:innen stoßen auf strukturelle Hürden: Der Zugang zu Proben- und Aufführungsräumen fehlt ebenso wie konkrete Auftrittsmöglichkeiten. Ohne diese Infrastruktur bleibt ihre Kunst oft unsichtbar.
Gleichzeitig fehlt es an institutioneller Verankerung. Vielen fehlt das Wissen, wie man einen Verein gründet, Förderanträge stellt oder langfristige Strukturen aufbaut. Die bürokratischen Anforderungen erscheinen oft unüberwindbar. Hinzu kommt ein tiefes Gefühl von Unsicherheit im Umgang mit Behörden. Viele Künstler:innen erleben fehlende Rückmeldungen, komplizierte Formulierungen oder Ablehnung – das verstärkt das Gefühl von Ausschluss und Unsichtbarkeit.
Diese strukturelle Ungleichheit verschärft sich durch Kürzungen im Kulturbereich. Gerade diejenigen, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben, sich zu behaupten, trifft das besonders hart.
Was transkulturelle Künstler:innen brauchen, ist klar: Räume, Ressourcen und Strukturen. Ohne Proberäume, Ateliers und Bühnen fehlen die Grundlagen, um ihre Arbeit sichtbar zu machen und sich professionell weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus braucht es niedrigschwellige Beratungsangebote – insbesondere in der Fördermittelakquise und Vereinsstrukturierung. Viele scheitern nicht an ihren Ideen, sondern an der Komplexität der Antragstellung. Hier braucht es kompetente, kontinuierliche Begleitung.
Doch es geht nicht nur um Strukturen. Es braucht auch Menschen, die mit Erfahrung und Feingefühl begleiten, stärken und Mut machen. Künstler:innen brauchen Unterstützung dabei, Ablehnung nicht als persönliche Niederlage zu begreifen, sondern als Teil eines Wegs, der zu mehr Selbstbewusstsein, Sichtbarkeit und Teilhabe führt.
Eine feste Kulturmanager:innen-Stelle, die all diese Aufgaben systematisch übernimmt, darf kein Zufallsprodukt sein. Sie sollte strukturell verankert, gesichert und anerkannt werden – als unverzichtbare Brücke zwischen den transkulturellen Künstler:innen und der etablierten Kulturlandschaft. Nur so können gleiche Chancen geschaffen und Vielfalt wirklich gelebt werden.