Impulse 2021 beendet

Flexible Formate, breite Unterstützung und Erhöhung der Förderung ab 2022

Am vergangenen Sonntag ist das diesjährige Impulse Theater Festival zu Ende gegangen – eine Ausgabe, die von spontanen Öffnungen und hybriden Formaten geprägt war. Zunächst hatten die Festivalmacher:innen eine fast gänzlich digitale Ausgabe geplant, konnten innerhalb kürzester Zeit aber auf die Lockerungen der Corona-Beschränkungen reagieren und zu zahlreichen Veranstaltungen doch Publikum zulassen. So fand beispielsweise die Eröffnung der AKADEMIE #1 – GESCHICHTE WIRD GEMACHT im kleinen Kreis mit geladenen Gästen ihren Auftakt. Auch zu den nur als Live-Stream geplanten SHOWCASE-Beiträgen PLAYBLACK von Joana Tischkau, MIT ECHTEN SINGEN von Tanja Krone und HATE ME, TENDER. SOLO FOR FUTURE FEMINISM von Teresa Vittucci konnte eine begrenzte Zahl von Zuschauer:innen zugelassen werden.

»Flexibilität war schon immer die Stärke der Freien Szene. In diesem Jahr haben wir – genau wie etliche unserer Kolleg:innen – ganz besonders bewiesen, was es heißt, beweglich zu bleiben und auf die Umstände reagieren zu können. Seien es gesellschaftliche Diskurse – oder eine globale Pandemie«, so Haiko Pfost, Künstlerischer Leiter des Impulse Theater Festivals. »Trotz größtmöglicher Planungsunsicherheit haben wir ein vollwertiges Festival auf die Beine gestellt – zwei AKADEMIEN in Düsseldorf, den SHOWCASE in Köln und das STADTPROJEKT in Mülheim – und jede Programmsäule spontan den Möglichkeiten angepasst.«

Insbesondere mit dem Stadtprojekt der Künstler:innengruppe Club Real hat das Festival einmal mehr bewiesen, dass seine Themen die Menschen bewegen: Wochenlang war die 120 Meter hohe Stahlskulptur in Form einer Schere, von der die Künstler:innen behaupteten, sie mitten in die Ruhr bauen zu wollen, Stadtgespräch in Mülheim an der Ruhr. Zum Festivalabschluss hatte das Festival bekanntgegeben, dass auch der seit Monaten in Mülheim an der Ruhr aktive Verein Eigentum verpflichtet e.V. Teil des Stadtprojektes war. Das inhaltliche Zusammenspiel von vermeintlichem Bauvorhaben und echter Vereinsarbeit brachte Fragen nach der Verteilung von Vermögen auf die Agenda einer Stadt, in der Arm und Reich sehr weit auseinanderliegen.

Das umfangreiche Programm der AKADEMIE #1 – GESCHICHTE WIRD GEMACHT bestand aus künstlerischen Arbeiten und Skizzen rund um Fragen nach ästhetischen, inhaltlichen und strukturellen Veränderungen der freien Theaterszene in den vergangenen 30 Jahren. In der Archiv-Location in Düsseldorf konnten die Besucher:innen die Beiträge der eingeladenen Residenzkünstler:innen vor Ort erleben. Parallel eröffnete das Festival auch eine digitale Plattform, auf der hochkarätige Gesprächsrunden sowie digitale künstlerische Formate, die auch über die Festivaldauer hinaus abrufbar sind.

Ein hybrides Format mit Teilnehmer:innen aus der ganzen Welt war die AKADEMIE #2 – LOST IN SPACE?. Gruppen in Düsseldorf, Köln, Bern, Johannesburg und Minsk trafen sich zu einem Workshop, der von den Künstler:innen Sibylle Peters, Charlotte Pfeifer und Ansuman Biswas geleitet wurde. Dabei untersuchten die Teilnehmer:innen in praktischen Übungen, was verloren geht, wenn sich Körper für künstlerische Prozesse und Protest nur noch digital begegnen können. Auch das flankierende Konferenzprogramm zeigte durch ein spartenübergreifend besetztes Programm, wie groß der Unterschied zwischen digitalem und physischem Beisammensein ist – und dass fehlende Körperlichkeit nicht nur in künstlerischen, sondern auch in politischen, soziologischen und psychologischen Kontexten verhandelt wird.

Dass das Festival stattfinden konnte, ist keine Selbstverständlichkeit: Pfost, seit 2018 Künstlerischer Leiter des Impulse Theater Festivals, ist froh über die Unterstützung, die das Festival auch in Pandemiezeiten durch den Veranstalter sowie durch die zahlreichen Förderer auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene erfahren hat: »Wir wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Freies Theater auch in solchen Zeiten die Rückendeckung erfährt, die es braucht, um ein zwölftägiges hybrides Festival in drei Städten und online auf die Beine zu stellen.«

Auch für die Zukunft der Impulse sieht es gut aus: Nach vier erfolgreichen Festivalausgaben unter der Leitung von Haiko Pfost stehen dem Festival ab dem nächsten Jahr höhere Fördersummen zur Verfügung. Dr. Christian Esch, Direktor des NRW KULTURsekretariats sagt: »Mit großem Engagement der drei Festivalstädte, mit Unterstützung aller 21 im NRWKS versammelten Städte und mit dem Kulturministerium NRW an unserer Seite ist es uns gemeinsam gelungen, nochmals das Festivalbudget zu steigern. Damit sind wir auf dem richtigen Weg zur dauerhaften Sicherung der Impulse auf auskömmlichem Niveau und blicken gespannt auf die kommenden Impulse-Ausgaben.«

Das Impulse Theater Festival 2021 wurde veranstaltet und gefördert vom NRW KULTURsekretariat in Kooperation mit der studiobühneköln, dem FFT Düsseldorf und dem Ringlokschuppen Ruhr sowie den Städten Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr.  Das Festival wurde u.a. gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kunststiftung NRW und die Stadtsparkasse KölnBonn.