Die Gründungsidee
Nordrhein-Westfalen gehört mit ca. 18 Millionen Einwohnern zu den am dichtesten besiedelten Räumen Europas. Groß ist die Zahl der Städte von mehr als 100.000 Einwohnern, darunter Metropolen wie Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund oder regionale Oberzentren wie Bielefeld und Münster. Das Ruhrgebiet mit seinen mehr als 50 Städten und Gemeinden versucht sich seit Jahrzehnten als „Metropole Ruhr“ zu erfinden, die – würde die Wirklichkeit der kommunalen Kleinkariertheit nicht solchen Visionen immer wieder entgegenstehen – auf zusammen gut fünf Millionen Einwohner kämen.
Mehr als jedes andere Bundesland ist also Nordrhein-Westfalen ein „Land der Städte“. Dies war und ist weiterhin die Voraussetzung für eine Idee, deren Verwirklichung bereits 35 Jahre Bestand hat: Die Gründung eines selbstbestimmten kommunalen Zusammenschlusses in Sachen Kultur unter dem etwas umständlichen Namen „Sekretariat für gemeinsame Kulturarbeit in Nordrhein-Westfalen“.1974 wurde es als Verbund der theater- und orchestertragenden Städte in Wuppertal aus der Taufe gehoben, gefolgt nur wenige Jahre später von einer Geschwisterkonstruktion für die kleineren Städte ohne Theater und Orchester mit Sitz in Gütersloh. Bis heute sind die Institute als NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) und Kultursekretariat NRW Gütersloh einzigartige Gebilde von Kulturförderung als Verbünde, die auch Ausdruck eines damals noch gesunden Selbstbewusstseins der Städte waren.
Kommunale Kraft und Schwäche
Grundlage dafür, dass das Kultursekretariat seine Arbeit aufnehmen konnte, war die Übereinkunft mit dem Land NRW, den Mitgliedsstädten Projektmittel zur Verfügung zu stellen. Sie sollten von einem Sekretariat vergeben werden, dessen Arbeit wiederum die Städte durch jährliche Umlagebeiträge ermöglichten. Das Sekretariat wurde deshalb als Servicestelle eingerichtet, die, gelenkt durch Beschlüsse der Vollversammlung aller Kulturdezernten, vor allem Komplementärmittel für gemeinsame Vorhaben bereitstellte. Die Willensbildung, die zu solchen beschlossenen Projekten führte, war dabei kaum weniger wichtig als die Beschlüsse selber, war sie doch Ausdruck von Kooperation und Abstimmung jenseits kommunaler Einzelinteressen und sog. Kirchturmpolitik.
Sehr konkret erreichte man damit einerseits, dass Projekte und Ziele übergreifend und synergetisch geplant und durchgeführt wurden; andererseits konnte man auf diese Weise finanziellen und personellen Dispositionen und Strukturen in den Städten das notwendige Zusatzgeld und zentrale Organisationshilfen zukommen lassen für Aktivitäten über das hinaus, was die Kommunen regulär und aus eigener Kraft veranstalteten. Daraus ergab sich ein erheblicher Surplus, ein inhaltlicher wie finanzieller Mehrwert, der geprägt und geleitet war vom gemeinsamen Wirken der Städte ebenso wie vom Gedanken „Stadt und Land, Hand in Hand“. Das funktionierte so lange, wie die Finanzen in den Städten ausreichend waren, aber auch dadurch, dass Land und Städte einerseits und andererseits die Städte untereinander zumindest parteipolitisch geeint waren. Bekanntlich hat sich das im letzten Jahrzehnt zunächst kommunal und dann auch auf Landesebene verändert. ...
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