Städte zwischen Kooperation und internationalem Wettbewerb
NRW: Das Land und die Städte
Vor allem anderen muss ich Sie mit ein paar NRW-Spezifika behelligen. Denn die Verhältnisse in diesem Bundesland sind tatsächlich einzigartig – komplex und manchmal auch verwirrend.
Nordrhein-Westfalen gehört mit ca. 18 Millionen Einwohnern zu den am dichtesten besiedelten Räumen Europas. Groß ist die Zahl der Städte von mehr als 100.000 Einwohnern. Ballungsgebiete wie das Ruhrgebiet mit mehr als 5 Mio., und das Rheinland mit 2,5 Mio. Einwohnern machen mehr als ein Drittel der Landesbevölkerung aus. Ballungsräume und das Dickicht der Städte gehören zu den Wesensmerkmalen dieser merkwürdigen Konstruktion so ungleicher Landesteile wie Rheinland und Westfalen – das ist ungleicher als Bayern, Franken und Schwaben, ich versichere es Ihnen.
NRW ist also – vor allem in der südlicheren Hälfte - ein ›Land der Städte‹. Aufgrund dieser Besonderheit wurde vor 36 Jahren ein ganz besonderer Weg der Kulturfinanzierung beschritten, ein Weg, der in keinem anderen Land so denkbar wäre. Gegründet wurde damals ein selbstbestimmter kommunaler Zusammenschluss in Sachen Kultur, das NRW KULTURsekretariat, kurz: NRW KULTUR.
Grundlage war die Übereinkunft mit dem Land NRW, dass den Mitgliedsstädten dieses Verbunds Projektmittel des Landes zur Verfügung gestellt werden. Als Schaltstelle wurde das Sekretariat bzw. NRW KULTUR gegründet. Seine Arbeit ermöglichen die Städte durch jährliche Umlagebeiträge, während eben die Projektmittel das Land bereitstellt. Und so funktioniert es im Wesentlichen noch heute.
Um kurz einmal das Profil unserer Arbeit zu umreißen: Lokale, regionale und internationale Kunst und Kultur in allen Genres, außer dem Film, prägten und prägen die Arbeit von NRW KULTUR als initiative Drehscheibe, die oft innovative Projekte und Programme startet oder aufgreift, übersetzt und miteinander verbindet, managt und promotet.
Das alles geschieht auf der Basis eines historisch gewachsenen, kommunalen Selbstbewusstseins, das auch in nackten Zahlen greifbar wird: Immerhin werden über 80 Prozent der Kultur in NRW von den Städten finanziert, nur knapp zwanzig Prozent vom Land. Noch krasser vermittelt sich dieses Missverhältnis mit Blick auf die Theater in NRW: Keine zehn Prozent finanziert das Land, über 90 Prozent stemmen die Städte.
Das alles war einmal so gewollt und hatte seinen Sinn, als Arbeit und Gewerbe noch für einigermaßen gesunde Finanzen in den Städten sorgten. Damit ist es nun bekanntlich ziemlich vorbei.
Und damit sind wir ganz in der Gegenwart angekommen, man könnte auch sagen: Auf dem Boden der aktuellen Tatsachen. ...
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