Neu ist es nicht, und doch muss es immer aufs Neue und mit zunehmender Dringlichkeit ins Bewusstsein gerufen werden: In Nordrhein-Westfalen, in diesem Land der Städte, bilden die Kommunen das Fundament der Kulturarbeit. Ohne diese kommunale Kultur, die allerdings in großer finanzieller Not ist, ginge gerade in Nordrhein-Westfalen kaum etwas. Stillstand im Gemeinwesen und Schrumpfung in den Köpfen wären jene Folge, die wir uns keinesfalls leisten können. Denn gerade für eine
Gesellschaft in der Systemkrise ist Kultur neben der Bildung von wachsender Bedeutung, dann jedenfalls, wenn Kunst und Kultur nicht bloß Gewissheiten, auch die liebgewordenen eigenen, fortschreiben, sondern mit ihrem geschärften Blick zur Beweglichkeit des Denkens und Fühlens beitragen: als eine der Voraussetzungen für die notwendige Bereitschaft zur Veränderung. Damit in Zeiten der Schuldenkrise und der Milliarden-
rettungspakete Visionen möglich und Veränderung selbstverständlich bleiben, müssen wir das Geld, das wir nicht haben, auch für die Kultur ausgeben.
Umso bedeutsamer ist es, dass erstmals das Land NRW den Kommunen mehr Mittel zugewiesen hat, ein wenig auch für die Kultur. Es verändert sich also etwas, wenn auch immer noch viel zu wenig. Bereitschaft zur Veränderung braucht es aber ebenso in der Kulturarbeit selbst. So wechseln im Kultursekretariat immer wieder die Perspektiven und Programme: unter der Maßgabe, Kunst und Kultur für Nordrhein-Westfalen zu fördern und zu vernetzen, zu veranstalten, zu unterstützen und manchmal auch mit Themen und Diskursen voranzugehen – was freilich ohne den besonderen Einsatz und die Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz unmöglich wäre.
Diese Arbeit kann nur in enger Zusammenarbeit mit den Akteuren und Institutionen selbst gelingen. Erst durch das genuine Interesse und die künstlerische Kompetenz der Partner, nur gemeinsam mit den Künstlern und Institutionen können vor allem die komplexen Programme wie etwa »Transfer« oder »Impulse« gelingen.
Das gilt auch für die in enger Verbindung mit dem Land NRW bei uns angesiedelte »Internationale Kulturarbeit«. Die Fantasie und die Erfahrungen der Künstler und Kunstinstitutionen sind es, die wir etwa mit unserem weitverzweigten und vernetzten »Internationalen Besucherprogramm« zusammenbringen. Ohne künstlerisches Interesse an Dialog und Zusammenarbeit wären viele Programme Strohfeuer, leuchtend zwar, aber schnell erloschen. Es muss darum gehen, das kreative Feuer jedenfalls derjenigen Kunst und Kultur zu erhalten und zu nähren, die sich nicht mit dem Status quo begnügen, die vielmehr den Stillstand als Hort vermeintlicher Sicherheit in Bewegung versetzen und den Richtungswechsel denkbar werden lassen will – so wie es VA Wölfls Bilderfolge in dieser Broschüre zeigt. Damit solche Bewegung möglich wird und bleibt, damit sogenannte Alternativlosigkeit nicht das Denken verengt, müssen wir auch selbst dem Neuen immer wieder Raum geben. Bleiben wir also dabei: Verändern wir uns, kontrovers und miteinander!
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