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Jahresprogramm 2010

Grußwort

2010, das ist das Jahr, in dem die noch weitgehend abstrakte große Krise mit massiven Folgen in fast allen Bereichen unübersehbar wird. Es ist aber auch das Jahr der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 und ihrer zu Beginn des vorigen Jahrhunderts formulierten Botschaft »Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel«. In Zeiten der tiefen Wirtschaftskrise, die auch eine Systemkrise werden könnte oder wohl schon ist, muss diese Botschaft nicht als schmückendes Motto, sondern als eine nachdrückliche Forderung verstanden werden. Denn der Wandel ist zwingend notwendig, wenn die Gesellschaft nicht als bloßes Anhängsel wirtschaftlicher Prozesse und Interessen in jeder Hinsicht verarmen will.

Um ein solches Selbstverständnis jenseits von schlichten Parolen und bloßer Unterhaltung muss es gehen, wenn sich diese Gesellschaft ihrer selbst vergewissert, was ohne Kultur nun einmal nicht zu haben ist. Unter anderem durch die Kultur lässt sich der notwendige Wandel stetig und reflektiert gestalten, ohne die Aufkündigung des gesellschaftlichen Konsenses. Zugleich wird Kultur selbst durch diesen Wandel ständig verändert. Und: Wie sie sich verändert, das zeigt besonders das immer weniger trennbare Zusammenwirken von physischer und virtueller Welt, die zunehmende Medialität der Lebenswirklichkeit, kurz: die nahezu allumfassende Bedeutung von Internet und Web 2.0.

Mit diesem 2.0-Bereich befasst sich jetzt verstärkt auch das NRW KULTURsekretariat, nicht anstelle von, sondern ergänzend zu seinen Förderprogrammen und -produktionen, sowohl im regionalen wie auch im internationalen Bereich. Im Mittelpunkt steht dabei weiterhin und wie immer die Kunst- und Kulturförderung mit Blick auf das Besondere, Innovative und natürlich auf die gemeinsame Kulturarbeit, so schwierig die sich in den darbenden Kommunen unterdessen auch gestaltet. Mit dem erneuerten Internetauftritt www.nrw-kultur.de haben wir 2009 nicht nur eine zeitgemäße allgemeine Informations- und Darstellungs-Homepage für unsere Programme und Produktionen entwickelt. Darüber hinaus bieten wir nun eine wichtige kommunikative Arbeitsebene für unsere Partner, die Mitgliedsstädte, die Institutionen und Kulturschaffenden. Hier kann man, im geschützten Intranet-Bereich, Informationen abrufen, Bild- und Klangdateien ansehen und -hören, Berichte einstellen und diskutieren, insgesamt verschiedene Prozesse jener gemeinsamen Kulturarbeit entwickeln, die der Grundgedanke des traditionsreichen kulturellen Städteverbunds Kultursekretariat war und ist.

Ein Teil unserer Projekte hat sich bereits in den letzten Jahren ganz oder teilweise im Internet entwickelt. Beispiel ist die stetig wachsende museums plattform nrw (www.nrw-museum.de), auf der aktuell in Partnerschaft mit 16 Kunstmuseen mehr als 450 Werke samt eingehenden Beschreibungen und Servicehinweisen zu finden sind – ein bundesweit einzigartiges Projekt, das vor allem in der Fachwelt große Beachtung findet. Kulturinteressierte, Neugierige und Fachleute können hier ihre eigene, virtuelle Ausstellung zusammenstellen und deren Exponate dann in den Museen des Landes aufsuchen und auch real erleben. Zusätzlich werden wir nun auf der Plattform weitere Möglichkeiten des Austauschs durch elektronische Kommunikation anbieten und so die Museumsplattform auch zu einem Medium des Web 2.0 für Kunstinteressierte, Neugierige und Fachleute ausbauen.

Zu unseren aktuellen Aktivitäten gehört auch ein keineswegs ganz neuer Bereich, der dennoch in der überkommenen Kultur weiterhin viel zu wenig bzw. einseitig wahrgenommen wird. Gemeint sind die Games, eine wichtige neue Kulturtechnik, insbesondere junger Menschen. Sie wurden in die digitale Welt hineingeboren, welche sie als »Digital Natives« im virtuellen 2.0-Raum als eigene, »ihre« Wirklichkeit erleben und gestalten. Ganz selbstverständlich gehören elektronische Spiele dazu. Die ästhetischen und künstlerischen Möglichkeiten der Games reichen dabei weit über das gewaltgeprägte Ballern in sogenannten Egoshootern hinaus, auch mit Blick auf ihre Potenziale für die kulturelle Bildung. Die Konferenz »Next Level« mit erlebbaren künstlerischen Beispielen und zahlreichen fachlichen Beiträgen soll, wie auch die im Vorfeld entstandene neue Internetplattform unter www.nextlevel-conference.org, der bekannten, jedoch nicht immer berechtigten Kritik die zu wenig beachteten Möglichkeiten und Chancen des Gamings gegenüberstellen. Vor allem soll »Next Level« eines tun: die produktive Begegnung mit einer medialen Wirklichkeit anregen, von der die Kulturgesellschaft so viel spricht und doch noch lange nicht genug weiß.

Gerade im Jahr 2010, das enorme Probleme der Kulturhaushalte und gravierende Folgen für zahllose Künstlerexistenzen mit sich bringt, erweist sich die Kultur als wesentlicher Faktor wenn nicht gar als Elixier einer teilweise verunsicherten Gesellschaft. Diese ist mehr denn je darauf angewiesen, sich ihrer selbst zu vergewissern, und das heißt: Kultur zu leben.

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