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Juni 2010

Immer Theater an Ruhr und Emscher

Immer Theater an Ruhr und Emscher

»All the world´s a stage«. Das kann man schon bei Shakespeare nachschlagen und gilt natürlich noch immer. Nicht erst seit der glitzernden Inszenierung des Wahlkampfs von kürzlich kann man sich gut vorstellen, wie der Dichter zu dieser schon damals alten Einsicht gekommen ist.

Die Welt als Bühne - zwischen Ruhr und Emscher wird sie ganz wörtlich gelebt. Denn von Moers bis Dortmund gibt es immerhin neun Theaterstädte und noch mehr Bühnen, eine wahrlich beeindruckende Theaterdichte. So ist das eben im Revier: Metapher, Dichtung und Wahrheit liegen hier gern und eng beieinander.
Und in derlei Pragmatik liegen Chancen. Gerade dieser große Kulturraum muss sich jetzt weiterentwickeln, hin zu einem Kooperationsraum mit veränderten Arbeitsweisen. Wie das gehen kann, davon hat neulich die »Odyssee« eine Ahnung vermittelt, mit sechs Uraufführungen an sechs Theatern. Was aus solchem Potenzial noch werden könnte?

Zum Nachdenken bleibt erst mal kaum Zeit. Zunächst steht nämlich das »Theater der Welt« bevor, als Gast in der Ruhrwelt des Theaters und als Schlusspunkt eines Dreiklang. Den Anfang hatten Anfang Mai die derzeit eher harmlosen Ruhrfestspiele gemacht. Anschließend gab es dann die Mülheimer Theatertage mit neuen Stücken für ein Theater, das die schwierige Hintergrundkulisse direkt einbezieht: die teils finanzmarktgesteuerte Politik nebst ganz folgerichtiger Krise und den Folgen. Das ganz reale Welttheater als Kulisse: für die Mülheimer »Stücke« und auch für die Aufführungen aus der ganzen Welt, ab dem 30. Juni in Essen und Mülheim.

Alles Banane also? Leider nicht. Dass Theater von der Schließung bedroht sind, hat sich herumgesprochen. Was überhaupt auf die zukommt, für die Gewinn- und Sinnmaximierung nicht das Gleiche sind, was also der Mehrheit und auch der Kultur bevorsteht, das ist das eine. Das andere jedoch ist: Was man dagegen tun kann. Für die Welt des Theaters heißt das: Sich gegen Schließungen und überbordende Streichungen wehren, aber es muss auch heißen: Raus aus der Defensive! Denn will man bewahren, muss man verändern, nicht nur, aber eben auch Theaterarbeit: Zum Beispiel durch verstärkte Zusammenarbeit in übergreifenden Strukturen, durch mehr Abstimmung der Aufgaben und Profile bis hin zu gemeinsamen Abonnements. Vorschläge und Überlegungen gibt es, nun gilt es sie weiter zu entwickeln und genauer zu prüfen. Die Welt als Bühne, sie braucht die Veränderung, off stage wie on stage.

links: © Günter Hartmann | pixelio.de
rechts/Hintergrund: © NRW KULTUR | 2009
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