Kultur in Fahrt: Genügend Sprit auf neuen Strecken?
Und los geht´s! Die Kulturhauptstadt hat Ideen getankt, nimmt Fahrt auf, das Navi ist programmiert, was sollte da noch schiefgehen? Sollte man meinen. Doch obwohl gerade jetzt die Kultur rasant durchstarten müsste, scheppert und quietscht es gewaltig, in den Ruhrstädten wie in ganz NRW. Kaum sind nämlich nach den Kommunalwahlen die Stadträte an die Arbeit gegangen, gibt es – welch eine Überraschung! – die ersten Kürzungsansagen für fast alle Bereiche. Besonders die Kultur droht dabei unter die Räder zu kommen: Bis zu 40 Prozent wird man dem Bereich entziehen, der schon in den vergangenen Jahren gedeckelt wurde. Das kann niemandem gleichgültig sein. Zuallerletzt dem NRW KULTURsekretariat, in dem die 20 großen Städte des Landes zusammenarbeiten. Ihrer Stadtkultur stehen größte Schwierigkeiten bevor, besonders ihren Theatern. Denn nicht nur die großen Häuser, sondern auch die Freie Szene und die vielen Künstler drohen vor die Wand zu fahren. Fragt sich, wie ein Totalschaden noch vermieden werden kann.
Und wo bleibt das Positive? Hier ist es: Vielleicht kommt es endlich zu einem Umdenken, das wäre doch etwas. »Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur« heißt das Motto der Kulturhauptstadt. Wie wäre es, wenn der schon 100 Jahre alte Spruch, der ja aus dem Ruhrgebiet stammt, vom Motto zur Maxime, also wirklich ernst genommen würde. Das würde zweierlei Veränderung bedeuten: Einmal Wandel durch Kultur, in ihrer ganzen Vielfalt zwischen Pop und Neuer Musik, zwischen Freier Szene und Stadttheater, zwischen Kulturzentren und Museumsausstellungen – auf dass sich diese geballte Kreativität auf die Denke in Wirtschaft und Politik auswirkt. Dann aber braucht es auch Wandel in der Kultur selbst. Schon jetzt erhält sie nur ca. 2% der städtischen Haushalte, müsste also längst in neuen Kooperationen und anderen regionalen Strukturen denken, auch in einem gewandelten Selbstverständnis als Kultur der Kulturen. Erst recht in der Zukunft kann und muss mehr gemeinsam gemacht werden, in der Stadt und auch im Web 2.0. Los geht´s also, auf neue Strecken – aber bitte mit genügend Sprit!
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