Das war´s. War´s das?
In wenigen Tagen ist sie durch, die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Damals, als Essen 2006 in Brüssel für das Ruhrgebiet ernannt wurde, schwappte eine Jubelwelle der Kulturmenschen durchs Revier. Endlich raus aus dem Pott-Image, rein in die Kulturfreuden. 53 Städte übten den Schulterschluss, und tatsächlich wurde es im Ergebnis mehr als eine Übung. Wenigstens dieses eine Mal wollte man gemeinsam an dem ominösen einen Strang ziehen, meist sogar in der oft beschworenen gleichen Richtung. Vielleicht beruht darin die größte Leistung der Ruhr.2010 GmbH, diese Gemengelage unterschiedlicher wenn nicht widerstrebender Einzelinteressen unter einen Hut bekommen zu haben. Chapeau!
Je näher dann das Jahr 2010 rückte, desto deutlicher wurde allerdings auch, dass weniger dem eigentlichen Anliegen die Aufmerksamkeit gewidmet wurde, Kunst und Kultur stärker in einer Gesellschaft des Wandels zu verankern und – in der Politsprache gesagt – »nachhaltig« zu gestalten. Vielmehr wurde die Metropole gebrandet, wurden Events promoted und Rekorde gehighlighted, was das Zeug hielt. Eines der Ergebnisse dieses Dauergroßsprech war dann der Tiefpunkt »Loveparade« in Duisburg. Hier wurde unübersehbar, was den Beobachter immer mal wieder beschlich: dieses bestimmte Gefühl, dass nämlich zeitweise diese Mega-PR vieles überlagerte statt es sichtbar zu machen.
Und das hätte sich oft durchaus gelohnt. Denn obwohl manches äußerst Aufwendige am Ende ziemlich banal scheiterte (z.B. die Grönemeyer-Hymne oder vor allem die Jugend-Oper »Gisela«) und obwohl das eine oder andere gut Gemeinte eher verzichtbar war, wie etwa die Bahnfahrten mit Migrationshintergrund – so steht dem doch eine ganze Menge Span¬nen¬des und Zukunfts¬trächtiges gegenüber: Da fallen einem vor allem die kooperierten Inszenie¬rungen der Theater (»Odyssee«) ein und der neue Verbund von Museen (»Ruhrkunst¬museen«). Oder auch das tief in die Ruhrgebiets-Wirklichkeit eintauchende Kunstprojekt »2-3 Straßen«.
War´s das? Nicht ganz. Denn einiges bleibt jedenfalls in Erinnerung, manches überdauert hoffentlich als greifbare Folge dieses riesigen Kraftakts einer Region, die ja nun Anstrengung wahrlich gewohnt ist. Die Kulturhauptstadt, sie war insgesamt doch ein Erfolg, allein deshalb, weil sie in den Zeiten der größten Krisen wie ein Damm wirkte gegen den noch stärkeren Abbau von Infrastruktur und die noch bedenklichere Verkümmerung der Haushalte in den Städten an Ruhr und Emscher.
Jetzt müsste er weitergegangen werden, dieser begonnene gemeinsame Weg, müssten gemeinsame Ziele definiert und Kooperationen ausgebaut werden, sollte allgemein mehr Leichtigkeit einziehen und eine echte Zugewandtheit zu Kultur und Kunst wachsen. »Müsste, sollte …«. Und die Wirklichkeit nach 2011? Hoffen wir, dass immerhin der Damm der Kultur noch eine Weile standhält. Den aber braucht es dringend, denkt man nur an jene Spezies von Verantwortlichen, der ein teures neues Fußballstadion für den Fünftligisten RWE sinnvoll, Kunst und Kultur jedoch als Firlefanz erscheint. Geht es in diese Richtung, dann allerdings wäre es das mit der Kulturhauptstadt gewesen: Erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie viel das Megaprojekt wirklich wert war.
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