Ruhe.2010
Gemächlich schleicht er wieder, der Verkehr auf der A 40, still ruht die Ruhr und 2010 hält noch einmal inne, bevor das Kulturhauptstadtjahr ins letzte Drittel geht. Versteht sich, dass dies mit einer weiteren pompösen Publikation der Ruhr.2010 geschieht, dem „Buch drei“. Und es gehört wohl dazu, dass man sich damit mal wieder selbst feiert – auch für Gemeinschaftsprojekte, die angeblich „früher an den Stadtgrenzen hängen geblieben wären“. Als gäbe es nicht seit über 35 Jahren die vernetzende Kulturarbeit etwa des NRW KULTURsekretariats mit städteübergreifenden Festivals und Ausstellungen, auch und nicht zuletzt im Ruhrgebiet. Nun gut, zum Marketing gehört von Zeit zu Zeit die eine oder andere Übertreibung. Wie tönend aber auch immer die Worte aus dem Juli herüberschallen mögen, es überwiegt die wohlverdiente Ruhe des Ferienmonats August.
Und doch, die Ruhe trügt. Denn schon schlummern in vielen Amtsschubladen neue Kürzungsvorlagen und brüten Ungutes aus, während die letzten Beschlüsse schon auf den Weg ihrer Umsetzung gebracht wurden. Unter dem dunstigen Schirm der Sommerwärme droht also weiteres Ungemach.
Aber was lesen wir da? Sollte Rettung nahen? Es wird, so steht zu lesen, etwas passieren, in Düsseldorf, wo sie vernehmlich mahlen, die soeben neu justierten Mühlen der Ministerialbürokratie. Hoffentlich nicht Senf, sondern Konkretes, was der Koalitionsvertrag so vielsagend verheißt: Die Städte sollen aus ihrer ärgsten Not befreit werden, einen Fonds soll es geben, aus dem ihnen Mittel zufließen, um wenigstens die drückende Zinslast der hoffnungslos verschuldeten Kommunen abzumildern. Dieses Mal, ja doch!, dieses eine Mal würde sich so zumindest oberflächlich etwas an der kommunalen Misere verbessern. Oder ist diese eitle Hoffnung schlicht die Folge eines Sonnenstichs, Ausgeburt einer simplen Hitzehalluzination? So viel steht jedenfalls fest: Nur durch die Entschuldung der Städte, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, könnte die Abwärtsspirale nach unten gebremst werden. Und nur so könnte verhindert werden, dass sich die Kulturhauptstadt im Rückblick als ein ehrenwerter Versuch, ein schöner Gedanke darstellt, der in der öden Wirklichkeit des Ruhrgebiets nach 2010 keinen Halt mehr finden wird. Hoffen wir also unverdrossen und gegen manche Erfahrung der Vergangenheit, dass jetzt, nach dem Stillstand auf der B1, schnell die dringend nötige Bewegung entsteht – im Schatten der sommerlich dümpelnden Stille des August. Wenn nicht jetzt, wann dann? Denn wie sagte einst der Sponti-Volksmund so schön schräg: Auf einen dummen August folgt selten ein kluger September!
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