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Leseprobe Geltinger

Textauszug aus: »Mensch Engel«. Schöffling & Co. Frankfurt am Main 2008

Engel schreibt: Als er wegging über den Fluss, war er gerade neunzehn geworden und hatte Abitur gemacht. Er war in der Welt, genauer gesagt in Europa, schon ein wenig herumgekommen und hatte sich erst kürzlich, das zu nennen scheint Engel an dieser Stelle am wichtigsten, in Marius verliebt, den braun gelockten Jungen mit dem trotzigen und wie mit einem braunroten Federstrich konturierten Lippenschwung, der zu Beginn des Abiturjahres in seine Stufe gekommen war. Gegen seine Vergangenheit hatte Engel noch keine Einwände, in der Gegenwart ein berauschendes Gefühl von Unendlichkeit und für die Zukunft so eine Idee mit Film, Regie führen oder Drehbuch schreiben oder womöglich beides. Er stand am Ende einer Kindheit, am Anfang eines Lebens und, so erinnert er sich jetzt, am Ufer des Flusses Main, der am Fuße fränkischer Weinberge in einer weit geschwungenen Schleife sein Heimatdorf Storchenau umfließt, in dem Engel nie einen Storch, geschweige denn eine von Storchen besiedelte Au entdeckt hatte.
Allein die trägen, schwarzen, stinkenden Wasser des Mainflusses hatten jahrein, jahraus die endlosen Nachmittage seiner Kindheit auf den zirpenden, von Pferdebremsen durchsirrten Schwemmwiesen, die durchqualmten, durchzechten und durchquatschten Nächte seiner Rebellenjahre auf den moderigen Sandbänken und die einsamen Spaziergänge über die in brusthohem Gras verborgenen Ufertrampelpfade umspült, auf denen Engel, in düstere Gedanken und zornige Selbstgespräche versunken, die üblichen Kämpfe gegen verständnislose Eltern, ungerechte Lehrer, hinterhältige Klassenkameraden und eine erwachende, sich zum anderen Ufer, wie man landläufig sagt, hinüberneigende Sexualität ausgefochten hatte, und er muss grinsen angesichts der Doppelbödigkeit seines Ausdrucks, fürchtet aber dann, dass dieser gar nicht so doppelbödig, ja womöglich sogar ziemlich platt sei, will daraufhin die ganze Passage wieder streichen, lässt sie dann doch, eher aus einem Gefühl von Gleichgültigkeit als in Ermangelung einer Alternative, stehen und fährt fort:

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Einen längeren Textauszug gibt es hier:

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