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Ärger die Monotonie

Geh!
Geh!
Lauf los!
Geh irgendwohin, wo du noch nie vorher gewesen bist!

Ärger die Monotonie

Geh!
Geh!
Lauf los!
Geh irgendwohin, wo du noch nie vorher gewesen bist!
Probier mal was Neues!
Sei mal ein bissli crazy!
Geh deinen ganzen Tag doch mal anders an!
Setz dich auf statt an den Frühstückstisch!
Steck dir Müsli in die Nase und kipp dir Milch in die Ohren!
Rasier dir mal den Arsch statt dem Gesicht und finde raus, ob du den Unterschied bemerkst!
Mach doch mal was anders!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Geh mal statt zur Arbeit zu deinem Chef nach Hause! Mal gucken, wie der so wohnt! Und ob Beton doch brennt!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Hör doch mal auf zu denken, dass alle dich verfolgen! Mach das doch einfach andersrum! Geh los und verfolge alle anderen! Sollen die doch mal sehen, wie das ist!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Frag doch mal ein Rudel Skinheads nach dem Weg zum Frisör, mal
hören, was die so erzählen!
Wenn du danach noch lebst, mach doch mal was Neues!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Wähl doch nicht immer die Spinner von irgendwelchen Parteien!
Wähl dich doch mal selbst! Mach eine Koalition mit dir selbst und
regier fröhlich in den Tag hinein! Verabschiede Gesetze gegen schlechte Laune und für Experimentier-Freude!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Ruf doch mal bei der Deutschen Bahn an und sag, dass du heute zu spät kommst! Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Mach doch mal eine umgekehrte Diät! Ja, fress einfach mal alles in dich hinein, worauf du grade Bock hast! Burger, Butter, Fritten, Chips, Mayo, Schokoriegel und Gummibärchen! Alles frittiert und mit Cola, Kaffee und Bier runtergespült! Und schäm dich, wenn du eine Kohlsuppe auchnur anguckst! Bah, fiese Kohlsuppe!
Probier es einfach mal, nur so zur Erweiterung deiner Perspektive! Und der Kleidergröße!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Bell den nervigen Hund vom Nachbarn an und wenn das nicht hilft, dann beiß ihn und piss deinem Nachbarn ans Bein!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Sprich abends im Club einfach mal eine dicke und hässliche Frau an! Du wirst sehen, das geht viel einfacher! Und wenn du trotzdem nicht weißt, was du sagen sollst, dann erzähl ihr von deiner neuen umgekehrten Diät! Das wird ihr gefallen!
Geh!
Geh!
Lauf los!
Brich aus der Routine aus!
Geh mal bei Grün über eine Ampel!
Lächl den Typ, der dich auf der Autobahn beim Überholen schneidet, einfach mal an und ruf ihm durch die runtergekurbelte Scheibe mal zu, dass seine Mutter bestimmt eine nette Frau ist.
Geh!
Mach mal was anderes!
So geht es doch nicht weiter!
Nimm doch mal das Auto, statt die hundert Meter zum Bäcker immer zu laufen, einfach, weil du Lust auf den Klimawandel hast und gerne demnächst Oliven und Pfirsiche im Garten anbauen möchtest! Und Holland? Na ja, 10 Prozent Verschnitt muss man immer einrechnen!
Geh!
Geh doch mal in dich, komm aus dir raus und bleib da!
Geh!
Mach mal was anders!
Denk doch mal daran, dass du sterben wirst! Und dann denk daran, dass du geboren wurdest!
Und jetzt grade bist du hier!
Jetzt!
Hier!
Geh!
Geh!
Aber tanze, statt zu laufen!

 

Online sein

Untertitel: Nein, ich möchte keinen Problembericht an Microsoft senden.

Ich bin online.
Ich bin so online, dass mein Avatar mir ähnlicher sieht, als mein Spiegelbild.
Ich bin so online, ich klicke Frauen zweimal an, wenn ich Sex möchte. Hab ich Freundin gesagt? Ich meinte Maus.
Ich bin so online, ich lach nicht mehr, ich sage LOL.
Ich bin so krass online, ich sitze @ Schreibtisch und klaue Texte @ Lars.
Ich bin so voller Internetsprache, dass Kommunikation mit meiner Oma unmöglich geworden ist.
„Junge, möchtest du einen Keks?“
„ROFL. Yeah, ihr Noobs, Oma owned euch alle @ Keksbacken.de!” Doppelpunkt, Klammer zu.
Egal.
Denn ich bin so online, ich hab eine Flatrate beim Pizzataxi und der Gegenwert meines Flaschenpfandes macht meine Wohnung zum postmodernen Bernsteinzimmer.
Ich bin so online, ich kann mein E-Mail-Passwort schneller tippen als meinen Namen.
Ich bin so online, ich bin ein Diener des Servers. Serve of the Servants somehow.
Ich bin so online, ich kann grade noch von 0 bis 1 zählen…
Ich bin so newsletter, ich weiß weit und breit über jeden Scheiß Bescheid.
Ich bin so Secondlife, dass die Realität bei mir die zweite Geige spielt.
Ich bin so Counterstrike, ich hab gar keine Zeit mehr in die Schule zu gehen und Amok zu laufen.
Ich bin so google, dass ich den Sinn des Lebens gegoogelt und gefunden habe. Ja, das geht.
Ich bin so ICQ, dass ich sogar das fiese Nebelhorn beim Hochfahren liebe.
Ich bin so flickr, weil mich die flackernden Bilder auf lodernden Bildschirmen locken.
Ich bin so myspace, ich hab über tausend Freunde. In echt.
Ich bin so Popup-Werbung… Plöpp. Herzlichen Glückwunsch! Sie sind der 1.000.000ste, der mich fragt, warum ich ausgerechnet Sebastian 23 heiße. Sie gewinnen einen nagelneuen genervten Gesichtsausdruck. Fenster schließen.
Ich bin so youtube, denn youtube killed the video star.
Ich bin so StudiVZ, nenn mich Gruscheltier.
Ich bin so gmx, komm, lass uns den eh schon fast toten Postboten töten.
Internet-Männer haben keine Gefühle. Internet-Männer haben Smilies.
Und ich bin so up to date, ich weiß natürlich, dass es längst nicht mehr Smilies heißt, sondern Emoticons. Ich kann sogar das Papst-Emoticon: +<:-) Ich hab nur die Mail noch nicht geschrieben, in der ich das verwenden könnte. Aber eines Tages!
Ich bin so online, ich sage euch, die Realität ist überbewertet. Was ich an der Wirklichkeit bewundere sind höchstens die hohe Auflösung und die Farbtiefe. Was benutzt dieser Gott-Typ für eine Grafik-Karte? Echt krass.
Ich bin ganz heftig online! Yeah!
Und ihr?
Wer von euch hat keinen mp3-Player?
Wer hat keine Digitalkamera?
Wer weiß jemanden, der keine E-Mail-Adresse hat?
Wer weiß jemanden, der nur eine E-Mail-Adresse hat?
Wer kennt jemanden, der noch nie ein illegal runtergeladenes Lied gehört und noch nie ein raubkopierten Film gesehen hat?
Wer hat sich noch nie selbst gegooglet?
Wer hat schon mal einen Freund an ein Online-Spiel verloren?
Wer war noch nie in einem Internetcafé?
Wer hätte diesen Text vor 20 Jahren schon verstanden?
Wer hätte diesen Text vor 10 Jahren schon verstanden?
Wer versteht diesen Text heute?

George Orwell hat einmal geschrieben: „Wer verstehen will, wie sehr Maschinen unseren Alltag bestimmen, der möge sich jetzt sofort einmal umschauen.“
Er schrieb dies 1932.
Heute ist 1984.
Ich bin online.
Sonst nichts.

Foto links: © NRW KS / Sebastian 23
Foto rechts: © birgith / pixelio.de
Foto Hintergrund: © birgith / pixelio.de
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