weißtannenwälder
weißtannenwälder ohne
böse geister sagt die mutter
kannst du beruhigt und auch mal
alleine hindurchgehn
still ist es totenstill je weiter ich durch
die wälder gehe desto schmaler und dunkler
wird der weg an dem nichts wächst außer
den pfahlwurzeln der weißtannen ins erdinnere und immer tiefer
weißtannenwälder sagt die mutter
waren es in denen wir spielten
noch und noch rotkäppchen und der
böse wolf bis mich ein hund biss
geh geh schon schickt sie mich fort
bring beeren und pilze und vorher
brauchst du nicht mehr nach hause zu kommen
aus dem weißtannenwald den es schon lang nicht mehr gibt
fiebern
nimm die arme hoch
zeig deine
krankheit diese mäandernden
menetekel mondzeichen
bin müde zum tode trage
meinen trauermantel manche nacht
leicht so wie schmetterlingsflügel
ist er
nimm die arme leg sie an beiden
seiten deines kopfes nieder streck deinen
körper aus den blassen
erschöpften
windschattig bist du fliehst mit dem abend
nimmst die sanften berührungen der
krankenschwestern hin die
dich mal hierhin mal dorthin drehen
und dich und die flecken vor dem
wundliegen bewahren
sie schenken dir
tabletten ein
bist müde fliegst fort
denkst nicht ans wecken
lässt dich von dieser hellen nacht
mit kühle bedecken
hibiskus
ich möchte wach sein aber
du musst schlafen
du hörst heut abend tango sagst das
wäre die musik nach der dir ist und mich
verlangt es mehr nach stille
und als wir tanzen wollen
trittst du mir immer wieder auf die füße
du schwärmst von duftend und
weißblühendem jasmin
ich hör die mutter klagen über ihn
ich stecke mir hibiskus an
du hasst dies blumen brechen
wo es doch blumen gibt aus plastik und
aus seide
ich les ein buch und du
schlägst deines zu
du sagst das rot auf deinen lippen
steht dir nicht ich geh und wisch es fort
ich zieh ein leichtes weiß über und seh dir an
du denkst mir würde schwarz viel besser stehn
doch du sagst nichts der tag ist lang
beklommen vergehen die stunden
den hibiskus tu
bitte in den müll sagst du
die blumen machen mich allergisch
vor allem in geschlossenen räumen
du legst dich ins bett du brauchst deine ruh
ich bin ganz wach und du beginnst zu täumen
Alle Gedichte aus: Sabine Schiffner, dschinn, Gedichte, S. Fischer Verlag,Frankfurt, 2007
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