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sich

Die Sonne sonnt sich Tag für Tag
die Uhr dreht sich im Stundenschlag
der Hahn kräht sich aus seinem Traum
die Blüten schütteln sich vom Baum

sich

Die Sonne sonnt sich Tag für Tag
die Uhr dreht sich im Stundenschlag
der Hahn kräht sich aus seinem Traum
die Blüten schütteln sich vom Baum
es mausert sich die Maus
die Träne weint sich aus
der Regen tropft sich nass
es hasst sich selbst der Hass
die Schlange schlängelt sich im Staub
die Taube stellt sich stumm und taub
das Wasser mehrt sich bis zum Meer
die Quelle läuft sich hinterher
das Feuer gibt sich Zunder
es wundert sich das Wunder
der Falter taumelt sich in Schlaf
in Wolle wickelt sich das Schaf
ein Stern versteckt sich in der Nacht
der Mond hat sich den Hof gemacht
ein Du verliebt sich in ein Ich
und alle Träume träumen sich.

 

Büchernarren

Es treffen sich bei einem Bücherturm
die Leseratte und der Bücherwurm.
Die Ratte pfeift: Was tust du hier?
Das ist seit langem mein Revier!
Zieh schleunigst ab, sonst seh ich rot!
Und du bist nachher mausetot.

Drauf meint der Wurm nach einer Pause:
Die Bücher hier sind mein Zuhause.
Ich wohn´ hier schon, solang ich bin.
Wo sollte ich auch sonst wohl hin?
Sag, warum willst du mich vertreiben?
Wir könnten doch zusammen bleiben.

Da zischt die Ratte: Du und ich?
Nein, das wär´ ja fürchterlich.
Ich kann dich nun einmal nicht riechen.
Du solltest dich ganz schnell verkriechen!
Los! Such dir einen andren Platz!
Und mit einem Riesensatz
springt sie hoch am Bücherturm,
grad‘ in Richtung auf den Wurm.

Doch der ist in zwei Sekunden
in einem Bilderbuch verschwunden,
landet dort auf Seite hundert
und ist plötzlich sehr verwundert:
Da sitzt, gemalt auf einer Matte,
eine fette – Leseratte.

 

Frieden

Es fällt eine Sekunde
aus der Minute, aus der Stunde
unendlich weit
aus aller Zeit.
Die Stunde bebt vor Zorn und Groll:
Sie fühlt sich nicht mehr rund und voll.
Auch die Minute ist bestürzt,
und sieht sich mittendrin verkürzt.
Die Uhr bleibt auf der Stelle stehen:
Der Zeiger will nicht weitergehen.

Da hält die Welt den Atem an
und überall ist Glück
für einen Augenblick.
Denn in dieser Wunderstunde
fällt die verlorene Sekunde
aus unserer Erdenzeit
unendlich weit
bis in die Ewigkeit.
Und Frieden ist in aller Welt
solang sie fällt.

Alle Gedichte aus Margaret Klare: In Wolle wickelt sich das Schaf, Lauter Gedichte, mit Bildern von Claudia Schmid, Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2003.

Foto links: © NRW KS / Klare
Foto rechts: © birgith / pixelio.de
Foto Hintergrund: © birgith / pixelio.de
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