GEMEINheiten
Rahmenprogramm:GEMEINheiten
Dortmund in/formell:
Filme, Performances, Diskussionen
Kuratiert von Jochen... 06.11 | 12:00
Rahmenprogramm:
GEMEINheiten
Dortmund in/formell:
Filme, Performances, Diskussionen
Kuratiert von Jochen Becker
Die Dortmunder Nordstadt steht exemplarisch für ein postindustrielles und von Zuwanderungen geprägtes Ruhrgebiet, das sich gerade neu erfindet. Wie ist die Lage der im traditionellen Sinne arbeitslosen Klasse im Revier?
Begegnungszentrum Nord
In den 70er Jahren plante Nordrhein-Westfalen das Versuchsprogamm
»Bürgerhäuser«. Hier sollten Freizeit- und Kommunikationsdefizite überbrückt sowie die Begegnung zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen »unter einem Dach« gefördert werden. Die Bauarbeiten des Dortmunder »Begegnungszentrum Nord« begannen 1978 und zogen sich bis zur Einweihung 1983. Das Dietrich-Keuning-Haus ist das größte Bürgerhaus in NRW und gilt mit Skatepark, Schwimmbad, Agora und Wabenstruktur als Modellprojekt für eine beispielhafte interkulturelle Arbeit.
Sonderwohlfahrtszonen
Im Norden Dortmunds, in weiten Teilen Berlins oder in den verblühten ostdeutschen Landschaften schwinden formelle Strukturen jener wohlfahrtsstaatlichen Versorgermoderne: Garantien auf ein Leben in Würde
treten außer Kraft, Transferleistungen sind mit Sanktionen verbunden,
temporäre Zwischennutzungen treten an Stelle eines Masterplans,
Quartiersmanager sollen vor Absturz und Aufstand bewahren,
während kommunale Dienste ausverkauft werden. Mancherorts wird
mit sogenannten Experimentierklauseln der Ausnahmezustand zum
Normalfall und öffnet neue Wege.
Nicht mehr, noch nicht
»In den Zonen des Übergangs entstehen bereits heute frühe Praxisformen einer post-kapitalistischen Gesellschaft, oftmals umgeben
von fortgesetztem Niedergang und wachsender Verelendung», beschreibt die Dortmunder Stadtplanerin Irina Vellay die Lage und fordert »Gemeinheiten« ein – als kollektives Recht auf öffentliche Güter und Dienste. Zwischen Notökonomie und Selbstorganisation, zwischen Dritter Welt und Drittem Weg bilden sich in den Löchern der Versorgermoderne neuartige Strukturen heraus. Die Kulturen der Strasse durchkreuzen zwischen der Dortmunder Nordstadt und
Berlin-Neukölln das Terrain. Wenn der »Rand« immer breiter wird und Staat sowie Kommune keine Versprechungen mehr halten können, lösen sich alte Fixierungen. Das weltweit eingeforderte »Recht auf Stadt« (Henri Lefebvre) ist ein Ruf nach radikaler Partizipation jenseits von Herkunft und Pass, Geschlecht und Geld.
Ein Projekt von Jochen Becker/metroZones und dem Theaterfestival FAVORITEN 2010. Gefördert durch die Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.
www.metroZones.info
Ablauf
So 31.10.2010
18:00–20:30 Uhr
Neukölln Unlimited, Agostino Imondi/Dietmar Ratsch, 2010, 96’
Lial, Hassan und Maradona sind Stars der Streetdance-Szene. Der Dokumentarfilm folgt den Geschwistern beim Kampf um die rechtliche
Anerkennung ihrer libanesischen Familie in Berlin.
Film und Diskussion mit Beteiligten des Films und Mitwirkenden von
»Nordstadt Realslide«
Fr 05.11.2010
18:00–20:00 Uhr
Banlieue 13, Pierre Morel/Luc Besson, 2004, kommentierte Filmausschnitte
In den abgeschotteten Vorstädten von Paris bilden sich informelle Slum-Ökonomien heraus. Auf der Flucht vor der Polizei bewegen sich die Bewohner mit Parkour-Techniken von Haus zu Haus.
Familie Tezcan, Nevin Aladağ, 2001, 7'
Video-Portrait einer Familie, die Breakdance übt: Ein Leben zwischen
türkisch-arabischer Folklore, amerikanischer Popkultur und deutschem Alltag.
Lowrider-Belly dance, Nevin Aladağ, 2004, 4'
Zwei junge Männer bewegen ferngesteuerte Lowrider-Autos zu Bauchtanzmusik und durchkreuzen so Zuschreibungen von Geschlecht und
Körperlichkeit.
Filme und Gespräch mit Traceuren aus Dortmund
Sa 06.11.2010
Nachmittags, Dortmunder Nordstadt, wiederholt ab 12:00 Uhr
Hochparterre, Nevin Aladağ mit Joanna Praml, 9' (Performance)
Berlin-Kreuzberg, Naunynstraße: In einer Collage aus Interviews bedauern biestige Altmieter das Verschwinden anständiger Kneipen und Türken die diskriminierten Deutschen des Viertels.
13:00–15:00 Uhr
Stadt der Guten Hoffnung, Volker Köster, 1996, 75’
Der Dokumentarfilm begleitet exemplarisch am Shoppingkomplex CentrO in Oberhausen die Umgestaltung des Ruhrgebiets zur Dienstleistungsregion.
Film und Diskussion mit Volker Köster und Adolf Winkelmann (angefragt)
15:00–17:00 Uhr
Nicht mehr | Noch nicht, Daniel Kunle/Holger Lauinger, 2004, 82’
Prognosen sagen den radikalen Wandel im Bild vieler Städte voraus. Abseitige Brachen werden alltäglich – und künden auch von neuen Möglichkeitsräumen.
Film und Diskussion mit Holger Lauinger und Ellen Bareis
17:00–18:00 Uhr
Sonderwohlfahrtszone | ES Express, Micz Flor/Merle Kröger/
Philip Scheffner, 2004 (Ausschnitt)
»Die Sonderwohlfahrtszone gibt sich als Ergebnis einer basisdemokrati-
schen Verhandlung eine Verfassung, die auf lokaler Selbstverwaltung
und direkter Demokratie gründet. Die Kommune verpflichtet sich, für
ihre Mitglieder eine Daseinsvorsorge (…) zu gewährleisten.« (Aus den
Prinzipien einer Sonderwohlfahrtszone am Beispiel der Stadt Forst)
Filmausschnitt und Diskussion mit Irina Vellay, Stephan Lanz und
Uwe Rada
18:00–19:00 Uhr
Rote Ruhr
Christoph Schäfer reaktiviert mit seinem jüngsten Kunstprojekt »Auslaufendes Rot« (Dortmund/Essen) die revolutionäre Geschichte der Ruhrkämpfe sowie der Roten Ruhr-Armee im März 1920.
Film und Diskussion mit Christoph Schäfer/Park Fiction
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