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Unsere Kolumne aus dem Kulturmagazin K.West

Der Rhein ist wie der Nil

Die mehrfach ausgezeichnete Autorin und Journalistin Asmaa Al Ghoul aus Gaza-Stadt besuchte im September zum ersten Mal Europa - genauer gesagt BEAUTIFUL NRW

Ein wieder aufgebautes Kino in Jenin, Barenboims »West-Eastern Divan Orchestra« in Ramallah, Auftrittsverweigerung israelischer Theaterkünstler in der Siedlung Ariel: Aus dem Westjordanland erreichen uns neben politischen Nachrichten immer auch Neuigkeiten aus der Kunstszene. Ganz anders im Gazastreifen. Das Hamas-regierte Autonomiegebiet scheint auch kulturell isoliert. Oder?

Mit einem europäischen Visum, einer Koordination der israelischen Behörde und einer Reiseerlaubnis der Hamas konnte die mehrfach ausgezeichnete Autorin und Journalistin Asmaa Al Ghoul aus Gaza-Stadt im September zum ersten Mal nach Europa reisen – genauer nach Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen des internationalen Besucherprogramms hat sie Beuys und Becher besucht, Emscherkunst bewundert, Xavier le Roy kennengelernt und auf Quadriennale-Partys getanzt. Und sie hat erzählt, was los ist mit der Kunst zwischen Mittelmeer, Israel und Ägypten. »Natürlich fehlt es uns an Lebensmitteln und Sicherheit. Aber genauso an Büchern, die nicht ins Land gebracht werden dürfen.«

Viele von Asmaa Al-Ghouls Freunden haben den Küstenstreifen schon für Europa oder die USA verlassen, ihre Geschwister studieren im nahen Ausland. Sie ist – von regelmäßigen Aufenthalten in Ägypten abgesehen – geblieben. Und kämpft gegen die Isolation, indem sie für die Rechte der Palästinenser bloggt und gegen die Blockade anschreibt. Seit der israelischen Offensive im Gazastreifen gibt es zwar ein steigendes Interesse internationaler Organisationen an der Unterstützung von palästinensischen Künstlern, auch in Gaza-Stadt haben sich zwei Künstlergruppen gebildet. Was laut Asmaa Al-Ghoul neben Pinseln und Leinwänden aber weiterhin fehlt, ist der internationale Austausch, die Möglichkeit, an der Auseinandersetzung mit anderen Künstlern und Kulturen zu wachsen.

Ihre ersten eigenen Erfahrungen in Europa teilt sie deshalb sofort mit ihren Freunden über Facebook. Und findet dabei auch Gemeinsamkeiten mit ihrer arabischen Welt: »Der Rhein ist wie der Nil.« Beautiful NRW.

Bild links: © Klaus Brüheim/pixelio.de
Bild rechts/Hintergrund: © Harry Hautumm/pixelio.de
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